Dienstag, 4. August 2015

Papa kocht: Shish Tawook und was Fladenbrot mit Tischmanieren zu tun hat

Ist es Fernweh oder brauchen wir einfach mal wieder Abwechslung in unsere badische Küche? In den Emiraten haben wir uns knubbelig an Shish Tawook mit Knoblauchsauce im Pitabrot gegessen. Und nun haut der Papa diese sagenhaft leckeren Hähnchenspieße auf den Grill:


Es ist eigentlich ein libanesisches Gericht, aber Shish Tawook wird im ganzen Nahen Osten serviert. Wenn man von arabischer Küche spricht, ist meistens die Libanesische Küche gemeint mit ihren Leckereien wie Mezze und dergleichen.

Shish Tawook 

1kg Hähnchenbrustfilet, 15 ausgepresste Knoblauchzehen
150g Joghurt,1 Tasse Zitronensaft, 6 Esslöffel Olivenöl, 2 Esslöffel Rotweinessig, 1 Teelöffel Tomatenpüree
1 Stück (ca. 3cm) geriebener Ingwer, 1 Teelöffel Thymian, 1 Teelöffel Oregano, 1 Teelöffel Paprika, Salz und Pfeffer

So geht’s:
Alle Zutaten für die Marinade vermischen, Hähnchen in Würfel schneiden und zur Marinade geben. Abdecken und im Kühlschrank mindestens vier Stunden marinieren. Dann auf die Spieße stecken (wir haben aus den Emiraten flache Metallspieße mitgebracht, die sind super, weil sie die Hitze auch nach innen des Grillguts transportieren, aber Holzspieße gehen auch) und ab auf den Grill für ca. 10 Minuten pro Seite. Damit das Hähnchen schön saftig wird, sollte man es danach von den Spießen abnehmen und für ca. 5 Minuten in Alufolie wickeln und ruhen lassen. Dazu gibt es Toum, die leckerste Knoblauchsauce überhaupt.

Toum

3 Knollen Knoblauch (ja, es ist eine Knoblauchsauce)
5 Tassen Rapsöl, Saft von einer Zitrone, Salz

Diese Knoblauchsauce herzustellen ist leider nicht einfach, dafür ist das Resultat grandios. Oliver hat lange experimentiert, bis er die perfekte Knoblauchsauce hergestellt hatte. Auch wenn es möglich ist, sie mit einem Mixer herzustellen, auf traditionelle Art mit Mörser und Stößel gibt es das beste Ergebnis. So geht’s:
Knoblauchzehen schälen und zusammen mit dem Salz in den Mörser geben. Stampfen, bis sie ganz zerdrückt sind. Dann ein bisschen Öl hinzufügen und weiter stampfen, ein bisschen Zitronensaft hinzufügen, weiterstampfen, ein bisschen Öl, weiterstampfen, usw. es dauert leider. Hat man dann auch noch das Pech, dass die Sauce zu flüssig oder flockig wird, hilft leider nichts mehr und man muss von vorne beginnen. Also: in aller Ruhe stampfen und vorsichtshalber 10 Knollen kaufen. Wem die Sauce zu streng ist, kann auch eine gekochte gestampfte Kartoffel unterheben.

Und eine Tabbouleh machen wir auch noch. Mittlerweile darf ja der Tabbouleh-Salat auf keiner deutschen Grillparty zum Würstchen fehlen, ihr werdet aber sehen, dass unsere etwas anders aussieht. Tabbouleh besteht nämlich nicht aus Bulgur mit etwas Petersilie und Tomaten drin, sondern hauptsächlich aus Petersilie mit ein bisschen Bulgur und Tomate.

Tabbouleh

4 Bund Petersilie (es gibt keine Petersilie mehr in unserem Kräutergarten), 1 Bund Minze (die wuchert zum Glück wie verrückt), 1 kleine Salatgurke (die kleinen Gurken aus dem türkischen Lebensmittelgeschäft),
5 kleine Tomaten, 1 Zwiebel, ¼ Tasse Bulgur
½ Tasse Olivenöl, ½ Tasse Zitronensaft.
7–Spices-Gewürzmischung (Piment, schwarzer Pfeffer, Zimt, Nelke, Muskatnuss, Bockshornklee, Ingwer)

So geht’s:
Petersilie und Minze waschen, ausschütteln und auf einem Küchentuch trocknen lassen. Von den Stängeln befreien und klein hacken. Die Tomate und Gurke in kleine Würfel schneiden. Den Zitronensaft über den trockenen Bulgur geben. Petersilie, Minze, Tomate, Gurke und Bulgur in eine Salatschüssel geben, Olivenöl und Salz drübergeben und alles vorsichtig mischen, sonst wird es zu matschig. Auf Salatblättern servieren.

Guten Appetit – Fernweh gestillt! Danke dem besten Koch libanesischer Küche rheinischer Frohnatur nördlich des Mittelmeeres!



Mit dem Essen darf übrigens bei uns gespielt werden, solange es nachher auch wirklich gegessen wird. Die Kleinen sollen damit experimentieren, es fühlen, riechen, schmecken. Trotzdem wissen sie auch, dass Essen etwas Besonderes ist. Dass man es braucht, damit der Körper funktioniert und damit man wächst. Dass es außerdem gut schmeckt und dass der unverdauliche Rest wieder herauskommt :o)
Uns ist es wichtig, dass wir gemeinsam mit den Kindern am Tisch sitzen. Haben die Eltern gute Tischmanieren, gucken die Kleinen sich das ab. Wie man richtig mit Messer und Gabel ist, lernen sie mit ein bisschen Hilfestellung ganz alleine.


Da möchte ich auch gleich erzählen, wie selbstverständlich Kinder in den Emiraten zum Leben dazugehören. Das fällt mir ein, weil meine Freundin und ich mit unseren beiden damals dreijährigen Mädchen in einem sehr feinen Restaurant in Abu Dhabi essen waren. Nachdem die Kinder zu ihrem Shish Tavook eine Flasche Ketchup gegessen hatten, spielten sie mit den Kellnern fangen. Weder das Personal noch die anderen Gäste störte das, sondern sie lachten und ermutigten die Kinder eher noch zum Quatschmachen. Das Personal wusste, dass es Geschrei gibt, wenn man Kinder zwingt, am Platz zu bleiben, bis die Eltern ihr Menü aufgegessen haben. Nun könnte man natürlich fragen, warum Eltern ihre Kinder überhaupt mit ins Restaurant nehmen, aber da frage ich, warum denn nicht? Da sind die meisten deutschen Eltern zu verklemmt und ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft Kinder gar nicht mehr gewöhnt ist. Dabei gehören sie doch dazu. Die Kinder gehen gerne mit ins Restaurant und lassen sich gutes Essen schmecken, wenn es nicht so ernst und spaßfrei zugeht. Wie seht ihr das?

Liebe Grüße von Jasmin

Kommentare:

  1. Hört sich ja sehr lecker an, aber bei der Soße kapituliere ich. Ist zuviel Arbeit. Vielleicht macht Oli es noch einmal, wenn wir bei Euch in Urlaub sind. Oli, Du bist zu bewundern, dass Du dafür soviel Zeit offerst. Hut ab. Rosi

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    1. Danke, ich werde das Kompliment weitergeben! Und Oli wird bestimmt noch einmal den Grill anwerfen, wenn ihr kommt. Ich freu mich schon.

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  2. Hey Jasmin! ...das hast du schön beschrieben und : Yummie, dieses Gericht klingt superlecker!
    Liebe Grüße, Katja!

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